An(ge)dacht

Gastfreundschaft

Der Sommer steht vor der Tür. Terrasse und Balkon sind hergerichtet. Garten- und Liegestühle haben den Weg aus dem Keller gefunden und stehen abgestaubt bereit. Der Grill ist gereinigt und mit Kohlen gefüllt. Er wartet nur darauf angeschürt zu werden. Der Kühlschrank ist mit den unterschiedlichsten Erfrischungsgetränken bestückt. Die Party kann losgehen. Es fehlen nur die Gäste.

Eine halbe Stunde, dann sollen sie kommen. Maik und Sandra haben Freunde eingeladen. Es schellt an der Tür. Ben, Micha und Steffi sind da. Eine nette kleine Runde. Maik heizt dem Grill so richtig ein. Steaks und Würstchen verbreiten einen herrlichen Geruch von Freizeit. Sandra stellt Salate und Baguette auf den Tisch. Alle stoßen gemeinsam an.

„Mensch, ihr verwöhnt uns hier ja mal so richtig!“, sagt Ben begeistert. „Klar doch!“, antwortet Maik. „Nur das Beste für die Gäste! Das haben wir im letzten Urlaub erfahren dürfen. Die Menschen in der kleinen Pension waren so nett zu uns, das hat uns richtig gutgetan. Da dachten wir uns, dass wir das gerne auch weitergeben. Wenn wir Besuch bekommen, wollen wir ihm auch diese Erfahrung ermöglichen. Ich habe das auch der Pension rückgemeldet. Da kam die Antwort: „Wissen Sie, jeder Gast hat es verdient, freundlich behandelt zu werden. Wir würden es ja schließlich auch wollen und es gibt viele Menschen, die anderen helfen und sich einsetzen. Das sieht man ihnen nicht an, aber denen wollen wir die Zeit so schön gestalten, wie es geht.“ – Das hat mich sehr beeindruckt und ich finde, die Frau hatte recht. Wir sehen oft nicht, was das Gegenüber alles leistet, darum hat jeder so viel Freundlichkeit verdient, wie es geht.“

Pfarrer Alexander John


Beweise?

Martin und sein Kumpel Hans treffen sich nach Feierabend auf ein Bier in der Kneipe um die Ecke. Während sie an der Bar sitzen, fällt ihr Blick auf ein Bild an der Wand. Es zeigt eine brennende Zigarette, an deren Ende ein Marienkäfer sitzt.
„Weißt du Martin, ich kann ja mit so modernem Kunstkrempel nichts anfangen. Meine Frau findet sowas super. Aber ganz ehrlich, was soll das? Ein Marienkäfer und eine Zigarette? Das ist doch albern. Bestimmt irgendetwas mit Naturschutz oder so.“
„Hmm…“. Martin betrachtet das Bild eine Weile. „Also mir gefällt es. Es hat irgendwie etwas von Auferstehung.“
„Auferstehung?!?“
„Ja, irgendwie schon. Die brennende Zigarette symbolisiert das Leben. Irgendwann ist sie aufgebraucht, die Asche fällt auf die Erde und der Marienkäfer fliegt mit dem Rauch davon.“
„Du hast schon ein Bier zu viel, oder? Davon erkenne ich da absolut nichts?! So ein Schwachsinn! Auferstehung… Pah, ich glaube kein Wort von diesem Quatsch in der Bibel. Ich glaube nur, was ich mit eigenen Augen sehe. Hast du Beweise?“
Beide Männer sitzen nun schweigend da und starren auf das Bild. Nach einer gefühlten Ewigkeit ergreift Martin das Wort: „Sag mal, Hans, liebst du eigentlich deine Frau?“. „Ja, natürlich liebe ich meine Frau. Was ist das denn für eine Frage?“
„Und?“. Martin lächelt ihn an. „Hast du Beweise?“

Pfarrerin Katharina Eisenreich


Ostern

Es war Winter. Viele Menschen kuscheln sich zuhause in ihre Decken und trinken einen Tee oder eine heiße Schokolade. Eine recht einsame Zeit. Spazierengehen in Kälte und Regen lockt niemanden vor die Tür. Die Wege sind kurz. Gespräche am Gartenzaun gibt es keine.

Es wird Frühling! Die Knospen springen auf, die Lauf- und Wanderschuhe werden aus dem Schrank geholt, die Fahrräder durchgecheckt und wir machen uns auf den Weg. Dabei ist oftmals ebendieser das Ziel. Entlang am Rhein, durch die Weinberge oder einfach durch Wald und Wiesen. Die Sonnenstrahlen wecken nach der langen Winterzeit die bekannten Frühlingsgefühle. Sie geben uns Kraft und Mut, neue Wege auszuprobieren, neue Plätze kennenzulernen.  

Es ist Ostern! Jesus Christus hat bereits unsere Wanderschuhe für uns raus gestellt. Er sagt: „Wie mich mein Vater gesandt hat, so sende ich Euch.“ Er stimmt mit in den Frühling ein. Er schickt uns los. Mit der Botschaft seiner Liebe im Gepäck, sollen wir unsere Wege gehen, uns nicht verkriechen, anderen Menschen begegnen und seine Liebe weitergeben.

Pfr. Alexander John


Es ist vollbracht

Die Examensarbeit ist abgegeben. Es ist vollbracht. Nach wochenlangen Studien und Schreibarbeit hält Lisa endlich das fertige Exemplar in den Händen. Die Erleichterung ist groß. Jetzt muss sie nur noch die Rechtschreibfehler korrigieren und dann wird gefeiert.

Das Baby ist da. Endlich! Es ist vollbracht. Jetzt liegt es friedlich auf dem Bauch seiner Mutter und schläft. Ein neues Leben hat begonnen und der Zauber des Neuanfangs liegt in der Luft. Seine Eltern strahlen, sie sind erschöpft, aber glücklich.

Der Vertrag ist unterschrieben. Gott sei Dank! Es ist vollbracht. Endlich hat die Bank das Geld zugesagt, dass Mira und Stefan so dringend zum Hausbau benötigen. Jetzt ist alles unter Dach und Fach. Heute Abend werden sie ein Glas Sekt darauf trinken und dann kann es bald losgehen.

Jesus ist am Kreuz. Er ist fast alleine. Nur noch wenige Menschen sind um ihn herum. Er wird dort qualvoll sterben, das wissen wir. „Es ist vollbracht“, sagt er… Nein, HALT, Stopp, Cut – so passt das nicht! Es ist unerträglich. Grausam. Nicht aushaltbar. „Wo ist hier die Hoffnung? Wo ist das Leben? Die Liebe?“, fragen wir den Drehbuchautor. Seine Antwort ist ein leeres Grab. Wir feiern sie dieses Jahr am 1. April.

Pfrin. Katharina Eisenreich


Gott geht immer mit Dir

Lina weiß nicht, was sie machen soll. Eigentlich steht ihr nach der Schule die ganze Welt offen. So haben es die Lehrer immer gesagt. Aber für welchen Beruf soll sie sich jetzt entscheiden? Oder soll sie erst für ein Jahr ins Ausland gehen? Lina hat Angst, dass sie sich auf eine Richtung festlegt, die ihr später einmal nicht gefällt.
„Liebe Lina“, schreibt ihr der Großvater in einer E-Mail: „Zwar bin ich Pastor, aber ich kann leider nicht hellsehen und weiß nicht, was die Zukunft bringt. Ich weiß nur, dass Du mit lauter Grübeln nicht weiterkommst. Du musst es ausprobieren. Das Gute ist, dass Du im Vertrauen auf Gott Deinen Start wagen kannst. Er geht mit Dir. Mit ihm kannst Du alles besprechen.“
„Aber woher soll ich denn wissen, was Gott konkret mit mir vorhat?“, fragt Lina. Großvater: „Gott redet auf drei Arten mit uns. Er redet mit uns durch das Wort der Bibel, durch unser Herz und durch unsere besondere Geschichte, die er ja schon mitgeschrieben hat. Also, welchen Beruf würdest Du denn am liebsten machen? Stehen Dir dafür – nach menschlichem Ermessen – die Gaben und Möglichkeiten zur Verfügung? Und schließlich: Stehen Deine Über­legungen mit Gottes Geboten im Einklang? Vor allem mit: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.“ „So einfach soll das sein?“, fragt Lina. Großvater: „Ich weiß, dass es nicht einfach ist. Aber nun musst Du keine Angst mehr haben, dass Du etwas falsch machst.“

Reinhard Ellsel
(Der Gemeindebrief)


Das Fest darf nachklingen

Reicht es nicht, wenn jeder dann ruht, wenn es für ihn oder sie passt? Wenn wir unsere Freizeit mit dem verbringen, wozu wir sonst nicht kommen: auf dem Sofa liegen, spielen, im Internet surfen, Serien gucken, ausschlafen, feiern. Ihre Ruhetage füllen heute viele mit schweißtreibenden Work-outs oder ausgedehnten Laufrunden aus.
Der im Feiertagsgebot geforderte, Gott geweihte Ruhetag ist mittlerweile zu einer aktiven Pausenzeit geworden. Es geht aber um eine andere Qualität der Ruhe: nämlich die Chance, sich aus dem Alltag zurückziehen zu können, sich um die eigene Seele zu kümmern, Kraft zu schöpfen für die geschäftigen Alltage.
Einige Bräuche der zwölf Rauhnächte zwischen Weihnachten und dem 6. Januar dienen dieser Ruhe und stillen Zeit, in der man mal nichts tun muss, ja sogar nichts tun soll. Das Fest darf nachklingen, ohne Alltagspflichten und Hausarbeiten. So ist das Rauhnachtsverbot, die Türen zuzuschlagen, in diesem Sinn eben nicht nur Aberglaube. Die dunkelsten Tage im Jahr können so zur allgemeinen Atempause werden.
Und genau so eine Pause darf für uns auch der wöchentliche Ruhetag sein. Niemand soll arbeiten und keiner diese Ruhe stören, in der die eigenen Gedanken Verschüttetes freilegen können. Jeder soll bei sich ankommen und hell werden – in dieser von Gott geschenkten und ihm gewidmeten Zeit der Seelenruhe und der Glaubensstärkung.

Karin Bertheau
(Der Gemeindebrief)