An(ge)dacht Dezember 2018: Es wird alles anders und besser

Hocherfreut werden – diesen Zustand wünscht man sich doch. Aber wie geht das? Ganz einfach: Als sie den Stern sahen, ist es passiert – und noch besser – es hält an, vielleicht sogar ein Leben lang. Soweit das Matthäusevangelium. Die Hirten fehlen hier, Matthäus erzählt knapper, ganz auf Jesus konzentriert. Aber – hocherfreut – das ist auch hier die Weihnachtsbotschaft. Ob im Trubel der Weihnachtseinkäufe oder nach der Bescherung dieser Zustand erreicht wird?
Ein Stern reichte damals, na ja eigentlich nicht allein. Denn der Stern war ja mit einem besonderen Ereignis verknüpft – Jesu Geburt. Und der Hoffnung, jetzt wird alles nicht nur anders, sondern besser. Und der Stern musste gesucht werden. Es gab die frohe Botschaft, ein Retter kommt, aber für die Weisen stand er nicht vor der Tür, sie suchten und fanden ihn und machten sich auf den Weg. So mundgerecht, wie wir heute Weihnachten serviert bekommen, ist Weihnachten eben doch nicht. Zwar müssen wir nicht eine beschwerliche Reise zum Christkind zurücklegen, aber einige Hindernisse sind auch für uns aufgebaut. Es hat nämlich Konsequenzen, dem Kind zu begegnen, sich bei Gott einzufinden.
Hocherfreut heißt nicht nur, Freude zu empfangen und zu empfinden. Hocherfreut heißt, Freude zu teilen und zu ermöglichen, für sich selbst und für andere. Manchmal ein beschwerlicher Weg, aber: „Da sie den Stern sahen, wurden sie hocherfreut.“ Hocherfreute Weihnachten!

Carmen Jäger
„Der Gemeindebrief“

An(ge)dacht Oktober 2018 – Gott blickt tief ins Herz hinein

Viele Wünsche sind tief in unseren Herzen vergraben. Sehnsüchte finden nur selten den Weg auf die Lippen. Noch seltener werden sie zu verständlichen Worten – eher zu Seufzern oder einem tiefen Atemholen. Das ist unverständlich und doch befreiend. Innere Geheimnisse verraten wir nur wenigen vertrauten Menschen.

Doch was ist, wenn es solche Freundschaften nicht mehr gibt? Wer hört und versteht die Seufzer einsamer Menschen? Gott versteht sie, weiß der Beter des Psalms. Gott blickt tief ins Herz hinein, das unsere Sehnsüchte und Leidenschaften birgt.

Und Gott kennt auch die dunklen Ecken, die schwer zu tragenden Geheimnisse, die Sünden, die den Beter wie eine schwere Last krumm und gebückt gehen lassen. Einsamkeit, heißt es, sei eine Krankheit unserer Zeit, in der Menschen andere nicht brauchen, weil sie alles alleine können und machen. So lange, bis sie niemanden mehr kennen und selber nicht mehr gekannt werden.

Erschreckend ist daran, dass bereits junge Menschen so vereinsamen. Was nicht weiter auffällt, weil sie ihr Sehnen nicht zeigen und ihr Seufzen niemand hört. Doch sie alle bleiben erfüllt von der Sehnsucht danach, dass das Leben wieder gut wird mit sozialen Bindungen, dass sie wieder Freunde finden oder in eine Familie zurückkehren.

Gott versteht, hört hin, schenkt Vertrauen und Zuversicht, dieses Sehnen in Worte fassen zu können.

Karin Bertheau
„Der Gemeindebrief“

An(ge)dacht August 2018 – „Ich liebe Dich“

Die drei großen Worte, wer kennt sie nicht und hat sie nicht schon einmal gehört oder selbst gesagt? „Ich liebe Dich!“ Wir sagen diese Worte so oft zu unseren Partnerinnen und Partnern, zu unseren Eltern, zu unseren Kindern. Manchmal wirkt es sogar inflationär. „Ich liebe Dich!“ Können Sie die Worte füllen? Je intensiver man sich mit dieser Aussage auseinandersetzt, desto schwieriger gestaltet sich eine genaue Definition von Liebe. Es wird schier ausufernd. Was wollen wir mit diesen drei Worten ausdrücken? Zuneigung, Hilfsbereitschaft, Verlässlichkeit, Vertrauen, Geborgenheit, Offenheit, Respekt, Annahme, Vergebung? Wahrscheinlich noch vieles mehr.

Praxistest: Jeder von uns freut sich darüber, wenn wir Hilfe und Unterstützung erhalten, wenn wir von Menschen angenommen und akzeptiert werden, wie wir sind. Wenn wir einen Menschen an unserer Seite haben, der unsere Hand hält, wenn es uns schlecht geht. Wenn wir wissen, dass wir uns auf diese Person verlassen können, ihr oder ihm vertrauen können. In diesen Momenten legen wir all unsere Emotionen in die drei Worte „Ich liebe Dich!“, weil sie einfach alles umfassen. Kinder, aber auch Erwachsene fragen häufig: Wo ist eigentlich Gott? Wir brauchen nicht lange suchen. Denn er ist da, wo wir Menschen mit Liebe begegnen. Wenn wir lieben und diese Liebe teilen, sind und bleiben wir Gott, der alles umfasst, ganz nah. Dazu müssen wir gar nicht immer „Ich liebe Dich“ sagen. In allen Gesten der Liebe können wir ein kleines bisschen von Gott spüren und erfahren.

Pfarrer Alexander John


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